Vorschlag des Europäischen Rates hinterlässt Ratlosigkeit

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Am vergangenen Dienstag konnte sich der Europäische Rat nach einer drei Tage andauernden Mammutsitzung auf ein Personalpaket einigen. Dieses Paket sieht vor, dass Ursula von der Leyen dem Europäischen Parlament für die Wahl zur Präsidentin der Europäischen Kommission vorgeschlagen werden soll. Dabei hat der Rat es verpasst, sich auf eine Person aus den Reihen der Spitzenkandidat*innen zu einigen. Weder Manfred Weber noch Frans Timmermans haben eine qualifizierte Mehrheit bei den Staats- und Regierungschef*innen erreichen können – die Kandidat*innen der Liberalen und Grünen blieben dabei ungetestet. Eine Zusammenarbeit der Visegrád-Staaten mit Italien blockierte dabei jeden Personalvorschlag mit einem der Spitzenkandidaten an der Spitze.

Als JEF Niedersachsen sind wir in den Wochen und Monaten vor der Europawahl mit der Maßgabe auf die Straße gegangen, das Spitzenkanidat*innen-Prinzip zu verteidigen. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Einhaltung dieses Prinzips die Europäische Demokratie weiter voranbringt und daher unverhandelbar ist. Seit der Nominierung Ursula von der Leyens haben wir in zahlreichen Gesprächen feststellen müssen, dass die Rats-Entscheidung fast immer dieselbe Reaktion hervorruft, und zwar umfassende Ratlosigkeit. Den Menschen ist einfach nicht vermittelbar, dass eine Person Kommissionspräsidentin werden soll, die weder als Spitzenkandidatin ihrer Parteienfamilie ausgelobt wurde noch auf irgendeinem Wahlzettel stand. So verhärtet sich der Eindruck eines undurchsichtigen Hinterzimmerdeals, der die Politikverdrossenheit gegenüber der EU weiter forciert.

Unsere Kritik richtet sich dabei unter keinen Umständen gegen Ursula von der Leyen als Person, da wir ihre vorbehaltlose Haltung zur Weiterentwicklung Europas und den ehrlichen Willen zum Dialog zwischen den EU-Institutionen positiv zur Kenntnis genommen haben. Wir richten unsere Kritik einzig an das angewendete Verfahren und stellen fest, dass das austarierte Kräfteverhältnis der Institutionen zu Lasten des Europäischen Parlaments aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. In diesem Sinne wäre es ein fataler Fehler, den Vorschlag des Rates im Parlament durchzuwinken. Wir rufen unsere niedersächsischen Europaabgeordneten eindringlich dazu auf, keine Person an die Kommissionsspitze zu wählen, die nicht Spitzenkandidat*in ist. Alles andere wäre in Anbetracht der historisch hohen Wahlbeteiligung ein taktloses Verprellen der Wählerinnen und Wähler sowie der Zivilgesellschaft, die durch ihr Engagement maßgeblich an der Mobilisierung zur Europawahl beteiligt war. 

Als Junge Europäische Föderalist*innen halten wir in dieser Situation das Blockieren Ursula von der Leyens für die einzige Möglichkeit, den entstandenen Schaden verhältnismäßig abzuwenden. Dadurch würde für die Fraktionen im Parlament zumindest Zeit und Raum geschaffen, sich auf ein gemeinsames Programm und eine*n Spitzenkadidat*in, der*die das glaubhaft vertreten kann, zu einigen. Wir sind immer noch davon überzeugt, dass dies möglich wäre und ermutigen alle Verantwortlichen dazu, diesen Schritt zu wagen. Dieses Vorgehen wäre das Mindeste an Wertschätzung, das wir den Wählerinnen und Wählern entgegenbringen sollten. Andernfalls sehen wir die Europäische Demokratie in einem unverhältnismäßigen Ausmaß bedroht. 

Uns ist dabei bewusst – und das wurde in den Wochen nach der Wahl öffentlich zu Tage gefördert –, dass es unterschiedliche Lesarten des Spitzenkandidat*innen-Prinzips gibt und vor der Wahl nicht abschließend geklärt werden konnte, wie die konkrete Umsetzung dessen aussieht. Aus diesem Grund wiederholen wir unsere Forderung nach der Einführung von transnationalen Wahllisten, die dem Spitzenkandidat*innen-Prinzip ihre unumkehrbare Daseinsberechtigung erteilt und treten vehement dafür ein, sich auf einen gemeinsamen sowie konkret definierten Rahmen zu einigen. Erst durch Schaffung gemeinsamer und eindeutiger Regeln werden wir dem „Rumgeeiere“ der letzten Wochen in Zukunft – zugunsten der Europäischen Demokratie – ein Ende setzen können. Wir hoffen, dass sich alle Beteiligten besinnen, um zu erkennen, welchen Schaden sie durch ihren Personalvorschlag an dem europäischen Gefüge verursachen. Als Teil der Zivilgesellschaft haben wir für diese hohe Wahlbeteiligung nicht unsere Freizeit geopfert, um einen so miesen Hinterzimmerdeal aufgetischt zu bekommen. Jetzt gilt es durch Wahrung des Spitzenkandidat*innen-Prinzips, die Europäische Demokratie zu bewahren, um im Anschluss das Nötige zur Weiterentwicklung Europas zu unternehmen!

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PM: JEF Niedersachsen sehen zivilgesellschaftliche Initiativen als Grund für hohe Wahlbeteiligung bei der Europawahl

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Im gestrigen Wahlergebnis zeigte sich, dass die Parteien es verpasst haben, einen inhaltlichen sowie europäischen Wahlkampf zu führen. Die Jungen Europäischen Föderalist*innen (JEF) Niedersachsen kritisieren diese wiederholte Mutlosigkeit, den Wählerinnen und Wählern europäische Lösungen auf die drängenden Fragen unserer Zeit anzubieten. Sie sehen zivilgesellschaftliche Bewegungen wie FridaysForFuture oder die eigene überparteiliche Initiative #EuropaMachen als ausschlaggebend für die hohe Wahlbeteiligung.

Bei der Europawahl stieg die Wahlbeteiligung auf 61,4 Prozent und stellte damit die höchste Wahlbeteiligung seit 1994 dar. Die JEF Niedersachsen begrüßen diese Entwicklung und führen das auf die gesteigerte Sensibilität der Bürgerinnen und Bürger zurück, die sich sehr intensiv mit den Folgen des Klimawandels, der sicherheitspolitischen Lage und die sozialen Probleme in Europa auseinandergesetzt haben. “Selten habe ich in Gesprächen so interessierte und informierte Menschen erlebt wie in den Wochen und Tagen vor der Europawahl. Sie verstehen sehr wohl, dass es für die drängenden Fragen unserer Zeit nur europäische Lösungen geben kann, da der Klimawandel zum Beispiel nicht vor der eigenen Haustür gestoppt werden kann. Diesem Wunsch nach europäischen Lösungen konnten die Parteien leider nicht erfüllen”, resümiert der Landesvorsitzende, Tobias von Gostomski.

Umfragen zufolge hat das Interesse an der Europäischen Union zugenommen. Während die etablierten Volksparteien deutliche Verluste zu verzeichnen haben, gewinnen die Grünen am stärksten hinzu – insbesondere bei den unter 30-Jährigen. Daran sei festzustellen, dass sich die Jugend zunehmend politisiert und sich ihr Einsatz über Demonstrationen sowie Medienauftritten im Wahlverhalten bemerkbar macht. Diese Entwicklung begrüßen die Jungen Europäischen Föderalist*innen, jedoch erwarten sie von den EU-Politiker*innen konsequente Initiativen, um die Teilhabe junger Menschen zu erleichtern. „Es sollte ein großes Anliegen der Europäischen Union sein, die Zukunft junger Menschen nicht einer alternden Wählerschaft zu überlassen.“, gibt Julia Schmelter, Studentin der Kulturanalysen und Beisitzerin im Landesvorstand der Jungen Föderalist*innen Niedersachsen, zu bedenken und verweist auf die Differenz zwischen den Stimmanteilen der 18- bis 29-Jährigen und den restlichen Stimmabgaben. „Daher ist uns die Absenkung des Wahlalters ein großes Anliegen, um die europäische Jugend angemessen zu repräsentieren.“

Abschließend hält Tobias von Gostomski fest: „Als proeuropäischer Jugendverband ist es unsere Aufgabe, die europäische Jugend zu mobilisieren, aber Aufgabe der führenden Politiker*innen, grundlegende Veränderungen einzuleiten.“ Die JEF Niedersachsen beglückwünschen die neu- und wiedergewählten Abgeordneten aus Niedersachsen und freuen sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit, um die deutlich gewordenen Interessen der Jugend mit der europäischen Politik in Einklang zu bringen.

PM: Junge Europäische Föderalist*innen Niedersachsen wählen neuen Landesvorstand

Am Samstag, den 04. Mai 2019, fand die Landesmitgliederversammlung der Jungen Europäischen Föderalist*innen (JEF) Niedersachsen in Osnabrück statt. Unter dem Motto „Europa bewegen – Wir und jetzt!“ wurden inhaltliche Anträge diskutiert und beschlossen. Es wurde zudem ein neuer Landesvorstand gewählt.

Als Vorsitzender ist Tobias von Gostomski (24, Göttingen) mit einem Ergebnis von 97% in seinem Amt bestätigt worden. Neue stellvertretende Vorsitzende sind Amelie Witte (23, Osnabrück) und Katharina Königsfeld (22, Hannover), die mit dem bestätigten Schatzmeister Philipp Richter (25, Hannover) den geschäftsführenden Vorstand komplementieren. Zusätzlich wurden Jakob Kepke (23, Göttingen), Julia Schmelter (26, Oldenburg), Max Blücher (24, Hannover), Rosanna Martens (23, Göttingen), Susannah Vierke (19, Göttingen) sowie Tobias Wellmann (27, Osnabrück) als Beisitzer*innen in den Vorstand gewählt.

Tobias von Gostomski, Landesvorsitzender der Jungen Europäischen Föderalist*innen Niedersachsen, erklärt hierzu: „Wir können überall steigende Zustimmungswerte für die Europäische Union feststellen. Deswegen haben wir uns auch sehr darüber gefreut, dass überzeugte Europäer*innen aus ganz Niedersachsen zu unserer Landesmitgliederversammlung nach Osnabrück gekommen sind! Die Menschen erwarten jedoch, dass sich die EU sinnvoll weiterentwickelt. In diesem Sinne haben wir gemeinsam mit Mitgliedern der JEF Enschede einen zukunftsweisenden Antrag zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit beschlossen. In diesem fordern wir die wechselseitige Anerkennung von Berufs- und Hochschulabschlüssen sowie Qualifikationen, eine gemeinsame Strategie zur grenzüberschreitenden Mobilität und die Schaffung von zentralen Ansprechpartner*innen beiderseits der Grenze. Ich freue mich persönlich sehr darüber, dass wir mit unserer niederländischen Schwesternorganisation mit gutem Beispiel vorangehen und diese Zusammenarbeit mit Leben füllen!“

Die jährlich stattfindende Mitgliederversammlung haben die Jungen Europäischen Föderalist*innen auch dafür genutzt, den Endspurt ihrer Europawahlkampagne einzuläuten. Dafür war der Kreisvorsitzende der örtlichen Europa-Union und Europaabgeordnete, Tiemo Wölken, zu Gast. Er stellte in seinem Grußwort die Bedeutung der Wahlen am 26. Mai heraus, da es einen Unterschied mache, welche parlamentarischen Verhältnisse bestehen. In seinem pro-europäischen Plädoyer warb er dafür, den Rechten und Nationalisten in Europa durch eine hohe Wahlbeteiligung für demokratische Parteien eine Absage zu erteilen. Zudem nutzte er die Gelegenheit die JEF-Mitglieder zu ermuntern, weiterhin auf die Menschen zuzugehen, um sie für Europa zu begeistern und Europa gemeinsam zu bewegen.

Dazu ergänzt Katharina Königsfeld, stellvertretende Vorsitzende der JEF Niedersachsen: „Mit einer umfassenden Agenda haben wir erneut wichtige Ziele für unsere zukünftige Vorstandsarbeit gesetzt. In diesem Zusammenhang konnten wir beschließen, dass wir uns mehr und mehr zu einer Jugendorganisation weiterentwickeln, die vehement für die Interessen der Jugend eintritt und ihr eine Stimme verleihen möchte. So konnten wir uns als Verein geschlossen hinter die Forderung nach einer Absenkung des Wahlalters stellen. Wir versprechen uns dadurch, die Partizipationsmöglichkeiten junger Menschen zu erweitern, die sich zunehmend politisieren. Gerade die Jugend hat ein Recht darauf, ihre Zukunft mitzugestalten!“

PM: EU-Hochschuldialog: Bundesminister Heil diskutiert mit Studierenden der TU Braunschweig über die Zukunft der Arbeit in der Region

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Am Freitag, den 15. März 2019, traten 60 Studierende mit dem Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, sowie mit dem Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Region Braunschweig, Florian Bernschneider, in den Dialog. Dabei sprachen sie über die Frage wie die Zukunft der Arbeit in der Industrieregion Braunschweig-Wolfsburg aussehen wird.

Im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Unser Europa – Wir mischen uns ein!“ luden die Jungen Europäischen Föderalist*innen (JEF) Niedersachsen Studierende der TU Braunschweig zu diesem Hochschuldialog ein, um von ihnen Ideen und Anregungen für die in Zukunft zu wählende Europäische Kommission mitzunehmen. Der in der vergangenen Woche angekündigte Stellenabbau bei Volkswagen diente dabei als Gesprächseinstieg, um beispielhaft zu verdeutlichen, welchen Stellenwert dieser durch die Digitalisierung bedingte Strukturwandel für die Region besitzt. Moderiert wurde dieser Dialog zwischen den Gästen und den eingeladenen Experten auf dem Podium durch den Vorsitzenden der JEF Niedersachsen, Tobias von Gostomski.

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In seinem Eingangsstatement führte der Bundesarbeitsminister aus, dass die Region mit ihrer prägenden Automobilindustrie vor einem enormen Stresstest stünde, der durch die Digitalisierung bedingt ist. In diesen Zeiten müsse man Strategien entwickeln, um Arbeitslosigkeit zu verhindern und die Menschen in neu entstehende Berufe einzugliedern, daher richte sich das Augenmerk auf den Sozialstaat. Jedoch müsse man die geltenden Klimaschutzziele mit dem Strukturwandel in Einklang bringen. „Die Arbeitnehmer fürchten um Arbeitsplätze wegen der Digitalisierung und ihre Kinder demonstrieren jeden Freitag gegen den Klimawandel – Wie kriegen wir also Arbeit und Umwelt verbunden?“ Anders als in den USA zeichnet sich Deutschland durch die Sozialpartnerschaft zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, Versicherungssystemen und der starken Forschungslandschaft in Braunschweig aus. Heil ist sich sicher, dass das die entscheidenden Faktoren sind, um den Strukturwandel zu meistern, „auch wenn es kein Spaziergang für unsere Region wird!“

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Beide waren der Ansicht, dass das Arbeitsrecht modernisiert werden müsse. Florian Bernschneider fragte aus welchem Grund Betriebsratsversammlungen nicht auch online stattfinden könnten und stellte dabei fest: „Das momentane Arbeitsrecht atmet leider den Geist des letzten Jahrhunderts! Wir müssen aber jetzt positive Antworten auf den digitalen Wandel finden, um den Menschen die Angst zu nehmen.“ „Hinzu kommt, dass wir mit dem aktuellen Arbeits- und Sozialrecht Schwierigkeiten haben, die Statusfeststellung treffsicher durchzuführen. Wir haben klassische Arbeitsverhältnisse, in denen Menschen schlecht bezahlt werden und neue Systeme, in denen die einen sehr frei sind und die anderen ausgebeutet werden. Dabei haben wir jedoch die Schwierigkeit, dass in unserem Rechtssystem kaum zwischen Selbstständigen und Arbeitnehmern in diesem Fall unterschieden werden kann“, so Bundesminister Heil.

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Zum Abschluss führte Florian Bernschneider noch aus, dass es der richtige Zeitpunkt für eine europäische Jahrhundertreform gewesen wäre, indem man anstelle des Digitalpaktes eine europaweite Bildungsplattform schaffen würde. Aktuell gäbe es eine Situation großer Verunsicherung, da hochqualifizierte Arbeitnehmer Angst haben, dass man sie demnächst nicht mehr brauchen könnte. „Wir benötigen Weiterqualifizierungen, die auch Universitäten anbieten müssen. Nicht nur Erstausbildung, sondern Weiterbildung. Lebenslanges Lernen muss hier das Motto sein, um den Arbeitnehmern die Angst vor den Veränderungen der Arbeitswelt zu nehmen!“ Bundesminister Heil stimme dem zu und ergänzte in seinem Fazit: „Wissen wird in dieser Wandelsituation schneller veralten als früher! Man muss lernen, sich Wissen schneller anzueignen!“

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1. Hochschuldialog in Osnabrück voller Erfolg

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Hochschuldialog Osnabrück: Innereuropäische Migration – Chancen und Herausforderungen einer europäischen Arbeitswelt

Am 18. Dezember 2018 startete mit dem Hochschuldialog in Osnabrück die Veranstaltungsreihe „Unser Europa – Wir mischen uns ein!“ der Jungen Europäischen Förderalist*innen Niedersachsen (JEF) in Kooperation mit der Europäischen Kommission, der Europa-Union Niedersachsen, dem Europa-Informations-Zentrum Niedersachsen sowie den Europe Direct Büros. Das Publikum kam in diesem Rahmen mit Tiemo Wölken, Mitglied des Europäischen Parlaments für die SPD und Prof. Jochen Oltmer, Professor für Migrationsforschung der Universität Osnabrück zum Thema „Innereuropäische Migration – Chancen und Herausforderungen einer europäischen Arbeitswelt“ ins Gespräch. Die Moderation des Dialogs übernahm Marcel Trost der JEF Osnabrück.

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Nach der Begrüßung hatten beide Podiumsgäste die Möglichkeit, ein thematisches Einstiegsstatement abzugeben. Prof. Oltmer begann mit einigen Daten und Fakten zur europäischen Binnenmigration. So liege der Anteil der Europäer, die im europäischen Ausland liegen mit ungefähr 3% unter dem internationalen Durchschnitt. In Hinblick auf die günstigen Migrationsbedingungen innerhalb der Europäischen Union sei dieser Wert erstaunlich niedrig. Auch der mediale Diskurs über Migration konzentriere sich hauptsächlich auf die Immigration aus Drittstaaten, neue innereuropäische Gastarbeiterströme verlieren rasch an medialer Aufmerksamkeit. Tiemo Wölken fügte dem hinzu, dass solche Debatten um innereuropäische Migration oft negativ konnotiert seien und nennt hierzu als Beispiel die Debatte über den Kindergeldbezug von in Deutschland lebenden EU-Ausländern. Die Probleme der innereuropäischen Arbeitsmigration sieht er in bürokratischen Hindernissen, wie beispielsweise den verschiedenen Sozialversicherungssystemen. Deutschland sorge zudem in besonderer Weise für eine Begrenzung der innereuropäischen Arbeitsmigration, da erst ab einem Beschäftigungsverhältnis der Anspruch auf staatliche Bezüge bestehe. So ist für Wölken die Personenfreizügigkeit innerhalb der EU mit Blick auf die freie Wahl des Arbeitsplatzes noch nicht garantiert.

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Nach diesem kurzen Einstieg begann der interaktive Part des Abends: über das Programm Sli.do hatte das Publikum die Möglichkeit über die eigenen Smartphones Fragen zu stellen, die während des gesamten Gesprächs an die Wand projiziert wurden. Zudem konnten die Zuschauer innerhalb des Programms Fragen favorisieren, sodass die interessantesten Fragen das Fragenranking anführten und zuerst diskutiert wurden. So wurde diskutiert, welche europäischen Bevölkerungsgruppen besonders dazu geneigt sind zu migrieren, inwiefern europäische Migration gesteuert werden kann, und wie eine Angleichung der Lebensverhältnisse sowie der nationalen Sozialsysteme in der EU zu erreichen ist. Auch die Einflüsse der innereuropäischen Migration auf den „Brain-drain“ und die europäische Staatsbürgerschaft wurden von den Experten debattiert. Natürlich waren auch die Folgen des Brexits mit Blick auf die europäische Freizügigkeit von Interesse.

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Die Jungen Europäischen Förderalist*innen bedanken sich bei Tiemo Wölken und Prof. Jochen Oltmer sowie auch beim engagierten Publikum für diesen spannenden und interessanten Abend! An dieser Stelle möchten wir zudem auf die folgenden Hochschuldialoge in Lüneburg, Oldenburg, Hannover, Braunschweig und Göttingen hinweisen.

von Henrike Gudat

Unser Bildungsseminar am 1.12. in Hannover

Unser Bildungsseminar „Europa steht unter Druck – unsere Wege zur Erneuerung“ fand am 1.12. in Hannover statt. Mit einer europapolitischen Einordnung des Status Quo starteten wir in den Tag und zahlreiche Teilnehmer*innen haben ein Gefühl dafür bekommen, wie es aktuell um die Europäische Union bestellt ist. Im Anschluss hatten die Anwesenden Gelegenheit sich auf spielerische Art und Weise kennenzulernen.

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Wir haben uns besonders darüber gefreut, dass auch ein Drittel an Nicht-Mitglieder zu unserem Seminar gefunden hat und sie durch ihre Teilnahme große Lust auf #EuropaMachen bekommen haben. Dieser Tatendrang entstand durch ein interaktives Rollenspiel, bei dem man sich mit verschiedenen Konzepten und Visionen zu Europa auseinandersetzen und daran anschließend mit widerstreitenden Positionen eine Europäische Verfassung ausarbeiten musste.

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Nach der gemeinsamen sowie einstimmigen Erarbeitung von Zukunftskonzepten für Europa konnten die Teilnehmenden diese mit den eingeladenen Expert*innen Dörte Liebetruth, MdL und stellv. Vorsitzende des niedersächsischen Europaausschusses, sowie Lars Becker, Präsidiumsmitglied der Europa-Union, kritisch diskutieren und herausarbeiten, auf welchem Weg diese zu realisieren wären. Dabei wurde allen Beteiligten deutlich gemacht, dass das Zeitfenster für europäische Reformvorhaben denkbar knapp ist. Die außerordentliche Bedeutung der kommenden Europawahl wurde dadurch unweigerlich herausgestellt.

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Die Mittagspause wurde mit einem leckeren und reichhaltigen Buffet begleitet, so dass wir gestärkt über Online Campaigning am Beispiel von #SaveTheInternet sprechen konnten. Im Rahmen eines World Cafés haben wir verschiedene Aspekte näher beleuchtet und für uns herausgearbeitet, wie wir unsere nächste Online Kampagne zur Beeinflussung der realen Politik zum Erfolg führen. Der Journalist und Blogger, Jon Worth, war hierbei eine riesengroße Hilfe und hat wertvolle Einblicke in die Welt der Online-Kommunikation gewährt. Die Seminar-Teilnehmenden waren nachhaltig von seinem Erfahrungsschatz beeindruckt und umso motivierter direkt los zu twittern!

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Wir erhoffen uns, dass alle Anwesenden als Multiplikator*innen für unsere Seminarinhalte fungieren, denn am Ende eines langen Tages waren wir uns alle darin einig, dass wir Europa gemeinsam machen wollen!

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PM: EU-Bürgerdialogsreihe „Unser Europa – Wir mischen uns ein!“ startet in Osnabrück

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v.l.n.r.: Prof. Jochen Oltmer, Tiemo Wölken © European Union 2018.

Am Dienstag, den 18. Dezember, startet die Veranstaltungsreihe „Unser Europa – Wir mischen uns ein!“ mit einem EU-Hochschuldialog in Osnabrück. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Volkshochschule Osnabrück, Bergstraße 8. Organisiert werden diese EU-Bürgerdialoge an 12 Standorten in Niedersachsen im Zeitraum von Dezember 2018 bis April 2019 durch die Jungen Europäischen Föderalist*innen Niedersachsen (JEF) in Kooperation mit der Europäischen Kommission, der Europa-Union Niedersachsen, dem Europa-Informations-Zentrum Niedersachsen sowie den Europe Direct Büros. Dieses Format ist darauf ausgerichtet, das Publikum zum Gespräch und Austausch einzuladen, Beteiligung zu fördern und zum Nachdenken anzuregen. Im Dialog zwischen Publikum und den eingeladenen Expert*innen sollen Ideen und Anregungen entstehen, die direkt und konkret an die in näherer Zukunft neu zu wählende Europäische Kommission formuliert werden.

Der erste EU-Bürgerdialog in Osnabrück lädt dazu ein, mit Tiemo Wölken, Mitglied des Europäischen Parlaments für die SPD, sowie dem Migrationsexperten Prof. Jochen Oltmer, Universität Osnabrück, über das Thema „Innereuropäische Migration – Chancen und Herausforderungen einer europäischen Arbeitswelt“ zu sprechen. Dabei wird das Publikum aufgefordert, Fragen und Denkanstöße mit den Experten zu diskutieren, und hat die Chance diese direkt beantwortet zu bekommen. Führt die Freizügigkeit zu einer Vertiefung der europäischen Integration? Was sind die Herausforderungen einer hochmobilen Arbeitsbiografie? Wie hat sich das Arbeitsleben der Menschen in Europa verändert? Diese und weitere Fragen des Publikums bilden dabei die Leitlinien des gemeinsamen Dialoges.

Lina-Johanna Exner, Vorstandsmitglied der JEF Niedersachsen, ergänzt dazu: „Wir stellen uns den Fragen der Menschen vor Ort und wollen mit den Bürger*innen eine gewissenhafte Diskussion führen, wie sie sich die Zukunft in Europa vorstellen. Arbeit nimmt einen großen Stellenwert in unserem Leben ein und wir sehen wie sie sich zunehmend verändert und immer digitaler und internationaler wird. Was das für uns bedeutet und wie wir diese Zukunft aktiv mit gestalten wollen, das muss gefragt und dafür Antworten und Lösungen gefunden werden, und zwar zusammen mit der Zivilgesellschaft und allen europäischen Mitbürger*innen.“

Tobias von Gostomski, Vorsitzender der JEF Niedersachsen, führt weiter aus: „Wir freuen uns, unseren ersten EU-Hochschuldialog in Osnabrück auszutragen. Niedersachsen teilt sich eine lange Landesgrenze mit den Niederlanden und die relative Nähe Osnabrücks dazu ist ein interessanter Startpunkt für unsere Veranstaltungsreihe und das Thema des Dialogs der europäischen Arbeitswelt. Ich freue mich auf viele Stimmen von Menschen mit Erfahrungen und Hoffnungen, die wir dazu nutzen werden, der Europäischen Union konstruktive Verbesserungsvorschläge vorzustellen und Anregungen zu schaffen. Unterschiedliche nationale Sozialsysteme stellen die Bürgerinnen und Bürger vor große Herausforderungen in ganz Europa. Wir bieten ihnen mit unserem EU-Bürgerdialog die Möglichkeit, diese an einen Abgeordneten des Europäischen Parlaments zu adressieren. Darüber hinaus sammeln wir Ideen und Vorschläge und teilen sie unmittelbar mit der Europäische Kommission, mit der wir diese Veranstaltungsreihe gemeinsam durchführen. So sieht echte Partizipation für und in Europa aus!“